Traumatherapie

Trauma - Definitionen

Die neurobiologische Erforschung von Trauma und den Auswirkungen auf das Gesamtsystem ist in den letzten Jahrzehnten so weit entwickelt worden, dass es viele hilfreiche Auswirkungen auf das therapeutische Angebot hat.
Oft überschneidet sich die Arbeit mit Trauma und die Arbeit mit der Stressverarbeitung, dies ist insofern plausibel, als in beiden Bereichen das autonome Nervensystem und die neuronalen Netzwerk-Strukturen die gleichen Pfade nutzen.

Von einem Trauma wird gesprochen, wenn Ereginisse, die auf uns eindringen, "zu viel, zu schnell und zu plötzlich" für das Individuum, daher auch als überwältigend, erfahren werden.
Wichtig: es geht also nicht um objektive Merkmale eines Traumas, sondern darum, wie der individuelle Mensch ein Ereignis erlebt und sich anschließend regulieren kann.

Es wird unterschieden zwischen sogenanntem Schocktrauma, womit ein das individuelle Erleben eines einzelnen Ereignisses gemeint ist, wie ein Unfall, eine Operation, eine einzelne Gewaltsituation (außerhalb familiärer Verhältnisse) o.ä..
Ein Entwicklungstrauma liegt immer dann vor, wenn die Situation über eine längere Zeit ein überbordendes überwältigendes Erleben zur Folge hatte, immer wiederkehrend, sich wiederholend und wenn es in den Zeiten angesiedelt ist, in denen das Gehirn neurobiologisch noch in bestimmten Entwicklungsphasen des Lernens gewesen ist. Traumen, die im familiären Kontext erlebt werden, werden zumeist immer einem Entwicklungstrauma zugeordnet.

Traumatischen Zusammenhang erkennen

Viele Menschen kennen folgende Phänomene:
Eine gewisse Fehl-Regulation im Körper ist wahrnehmbar, zum Beispiel ständig wiederholende Spannung in bestimmten Muskeln, obwohl gar nicht so viel körperlich gearbeitet worden ist, die in bestimmten Zusammenhängen vermehrt auftreten, beispielsweise in bestimmten Situationen bei der Arbeit oder auch im privaten Umfeld.
Dann wird auch ein Gefühl von Bedrohung wahrgenommen, und eine überhöhte Aufmerksamkeit gegenüber allen Dingen, die geschehen. Diese überhöhte Aufmerksamkeit wiederum führt zu einer vermehrten Fehl-Regulation im Körper usw.
Man spricht hier von dem Teufelskreislauf zwischen der Dysregulation im Körper, dem Gefühl von Bedrohung und der Hypervigilanz.

Wenn diese Prozesse länger anhalten und immer wieder ausgelöst werden, geschieht es häufig, dass keine Zusammenhänge mehr erkannt werden zwischen den einzelnen Elementen des Kreislaufes, es erscheint dann rätselhaft, manchmal eine erhöhte Aufmerksamkeit, machmal starke Verspannungen, manchmal ein Gefühl von Bedrohung wahrzunehmen.
Wenn dann beispielsweise im Bereich der Körpertherapie, wie Osteopathie, Physiotherapie, Manuelle Therapie etc., versucht wird, die Spannungen im Körper zu lösen, kann dies durchaus zunächst zu einer Linderung der Symptome beitragen. Falls aber der Hintergrund tatsächlich ein unreguliertes traumatisches Erlebnis ist, wird es immer wieder ausgelöst werden und möglicherweise auch stärker, weil das Alarmsystem aktiviert ist und das System sowohl die Berührungen wie auch das Lösen der Spannung als trügerisch erlebt und die Alarmreaktion verstärken könnte.

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